{"id":1124,"date":"2018-05-23T15:37:41","date_gmt":"2018-05-23T14:37:41","guid":{"rendered":"http:\/\/jewsineastprussia.de\/jews-in-tilsit-sovetsk-exhibition\/"},"modified":"2021-03-02T15:35:54","modified_gmt":"2021-03-02T14:35:54","slug":"jews-in-tilsit-sovetsk-exhibition","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/jewsineastprussia.de\/de\/jews-in-tilsit-sovetsk-exhibition\/","title":{"rendered":"Juden in Tilsit &#8211; Ausstellung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>2009 Tilsit \/ Sovetsk<\/strong> (Russische F\u00f6deration)&nbsp; und <strong>2011 Kiel<\/strong>&nbsp;(Deutschland)<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"212\" height=\"300\" src=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/JewsTilsit-212x300.jpg\" alt=\"Exhibition Poster Jews Tilsit\" class=\"wp-image-373\" srcset=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/JewsTilsit-212x300.jpg 212w, https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/JewsTilsit.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" width=\"212\" height=\"300\" src=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/PostkarteTilsit250-212x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-379\" srcset=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/PostkarteTilsit250-212x300.jpg 212w, https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/PostkarteTilsit250.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Lange bevor im 19. Jahrhundert Juden Stadtb\u00fcrgerrechte in Tilsit erwerben durften, hielten sich j\u00fcdische Kaufleute bereits in gr\u00f6\u00dferen Gruppen in der Stadt auf, um Handel zu treiben.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Geminde-300x197.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1735\" width=\"470\" height=\"309\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p> Zum einen reisten&nbsp; sie \u00fcber die 20 km n\u00f6rdlich gelegene Landesgrenze ein, zum anderen kamen sie mit den zahlreichen Holzfl\u00f6ssen auf der Memel von Litauen oder Wei\u00dfrussland. Die Gemeinde, die sich nach 1812 etablierte, durfte erst 1842 eine Synagoge errichten. Allm\u00e4hlich wuchs die Zahl ihrer Mitglieder bis auf 650 Personen (1910). In&nbsp; den Jahrzehnten zwischen 1880 und 1910 spielte Tilsit eine wichtige Rolle als Durchgangsstation f\u00fcr die j\u00fcdische Auswanderung aus dem Zarenreich nach \u00dcbersee. Nach dem Frieden von Versailles wurde die Memel zum Grenzfluss. Die weltoffene kleine Handelsstadt verwandelte sich in eine nationale Grenzstadt. Vor allem die j\u00fcdische Jugend verlie\u00df in den drei\u00dfiger Jahren die Stadt, um ins Ausland zu emigrieren. Ihre Wege f\u00fchrten nach S\u00fcdafrika, in die Vereinigten Staaten, aber auch nach Shanghai und nach Litauen. Die restlichen Juden wurden im August 1942 deportiert.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/12JULruthspeech.jpg\" alt=\"Sovetsk Tilsit Opening of Exhibition\" class=\"wp-image-372\" width=\"350\" height=\"291\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Ausstellung wurde vom 12. Juli bis 30. August 2009 im Stadtmuseum von Sovetsk gezeigt.<br>Texte auf Englisch und Russisch: Einf\u00fchrung von der Kuratorin Ruth Leiserowitz.<br><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"http:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Tilsit-Jews-12.7..pdf\" target=\"_blank\">INTRODUCTION IN ENGLISH &gt;&gt;<\/a><br><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"http:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Tilsit-Evrei-12.7.pdf\" target=\"_blank\">INTRODUCTION IN RUSSIAN &gt;&gt;<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/2009-Tilsit-Opening-300x225.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-758\" width=\"439\" height=\"330\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>2009 Nachfahren fr\u00fcherer j\u00fcdischer B\u00fcrger bei der Er\u00f6ffnung der Ausstellung Juden in Tilsit (heute Sovetsk, Russland).<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:36px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Geschichte der Juden in Tilsit &#8211; Ausstellung 2011 in Kiel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"225\" src=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/KielRths500-300x225.jpg\" alt=\"Foyer Exhibition Jews in Tilsit\" class=\"wp-image-374\" srcset=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/KielRths500-300x225.jpg 300w, https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/KielRths500.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>In vielen deutschen St\u00e4dten gibt es inzwischen&nbsp;Erinnerungen an die Geschichte der Juden in Form von Gedenktafeln und &#8222;Stolpersteinen&#8220;. Kaum jemand erinnert sich an die Tilsiter Juden. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten die ehemaligen Bewohner an vielen unterschiedlichen Orten, die Einwohner von Sovetsk wussten nichts \u00fcber die j\u00fcdische Geschichte der Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt wird erstmals mit aktiver Mitwirkung der Nachkommen der Juden aus dieser Region gezeigt, welche Rolle die Stadt Tilsit in jeder Familiengeschichte gespielt hat. Die Initiative ging vor allem von dem Museum der Stadt Sovetsk aus, das sich eine Ausstellung \u00fcber das j\u00fcdische Leben w\u00fcnschte. Vielen Dank an die Nachkommen der Familien, die ihre Familienerinnerungen geteilt und Fotos eingereicht haben. Die Ausstellung wurde im Sommer 2009 im Sovetsker Stadtmuseum er\u00f6ffnet. So kehrten die Juden nach fast 60 Jahren in die Geschichte der Stadt zur\u00fcck. Mit der Ausstellung in der Partnerstadt Kiel wird diese Geschichte auch in das Land Schleswig-Holstein und nach ganz Deutschland getragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Zweiten Weltkrieg war Tilsit eine der nord\u00f6stlichsten St\u00e4dte des Deutschen Reiches &#8211; nahe dem Memel-Strom, in der Provinz Ostpreu\u00dfen. Heute hei\u00dft diese Stadt Sovetsk und geh\u00f6rt zum Gebiet Kaliningrad der Russischen F\u00f6deration.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"195\" src=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/A-R-Sladowsky-300x195.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-762\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>In Tilsit lebten vor allem Deutsche, darunter auch Litauer und Juden. Die Stadt lebte vom Holzhandel an der Memel. Aufgrund seiner Lage, seiner Gr\u00f6\u00dfe und der h\u00e4ufigen Messen war es in der Vergangenheit ein beliebtes Ziel von H\u00e4ndlern und K\u00e4ufern, die von der anderen Seite der Grenze kamen. Unter ihnen waren viele litauische Juden (Litvaks), die Richtung Osten Handel betrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend das Bild der Juden vor 1812 vor allem von Kaufleuten aus Polen und Litauen gepr\u00e4gt wurde, wurde dieses Profil durch das preu\u00dfische Toleranzdikt mit der Ankunft der westpreu\u00dfischen Juden ge\u00e4ndert. Um 1820 dominierten Juden aus westpreu\u00dfischem Gebiet. Im Jahre 1825 wurde ein j\u00fcdischer Friedhof gebaut. Noch im selben Jahr kaufte die Gemeinde Land f\u00fcr den Bau einer Synagoge, deren Kauf vom Kabinett genehmigt wurde. Die Petition zum Bau wurde jedoch 1826 von K\u00f6nig Friedrich Wilhelm III. abgelehnt, und es dauerte fast zwei Jahrzehnte, bis der Bau der Synagoge 1842 endlich beginnen konnte. Mit Beginn des Krimkrieges 1853 \u00e4nderte sich die Situation an der preu\u00dfisch-litauischen Grenze radikal. Mit Ausnahme von Preu\u00dfen wurde der russische Handel 1853-56 von allen Seiten boykottiert. Nun war die zaristische Regierung gezwungen, das Verbot des Grenzverkehrs nach Preu\u00dfen aufzuheben. Alle Importe wurden \u00fcber Land gef\u00fchrt, vor allem \u00fcber Tilsit. Auf diese Weise kam es zu einer politisch unerw\u00fcnschten, aber wirtschaftlich erzwungenen Liberalisierung der Grenzregelung. Der Handel erm\u00f6glichte hohe Einkommen. Die Jahre gingen in der Lokalgeschichte als &#8222;die Goldenen&#8220; ein. Die Liberalisierung des Grenzrechts verringerte die Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr die j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung. Vor allem Litvaks zogen in die Stadt. W\u00e4hrend des gesamten 19. Jahrhunderts wuchs die Zahl der j\u00fcdischen B\u00fcrger, bis sie 1910 insgesamt 650 Personen (von insgesamt 37.000 Einwohnern) erreichte.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"192\" src=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/S1_Margot_Lepehne-300x192.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-763\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Seit 1885 spielte Tilsit eine wichtige Rolle als Durchgangsstadt f\u00fcr die j\u00fcdische Auswanderung aus dem Zarenreich nach Amerika und S\u00fcdafrika. Tausende von Juden aus Litauen, Lettland und Wei\u00dfrussland verbrachten mehrere Tage ihrer Reise in der Stadt, wurden medizinisch untersucht, erhielten Lebensmittel sowie ihre Schiffstickets.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Frieden von Versailles (1919) wurde die Memel zu einem Grenzfluss. Aus der liberalen kleinen Handelsstadt wurde eine nationale Grenzstadt. Die politischen Standpunkte und Gegens\u00e4tze wurden st\u00e4rker. Vor allem die junge j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung verlie\u00df die Stadt und wanderte in den 1930er Jahren aus. Sie gingen nach S\u00fcdafrika, in die Vereinigten Staaten, aber auch nach Shanghai und Litauen. Ende August 1941 gab es in Tilsit noch mehr als 300 Juden. Am 24. Juni 1942 wurden sie in das Gebiet bei Minsk deportiert und sofort erschossen: So verschwand die j\u00fcdische Seite aus der Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p>Prof. Dr. Ruth Leiserowitz<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/KielRthsaussen400.jpg\" alt=\"Rathaus Kiel 2011\" class=\"wp-image-1658\" width=\"400\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/KielRthsaussen400.jpg 400w, https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/KielRthsaussen400-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>2011 Rathaus Kiel <\/p>\n\n\n\n<p>Kiel ist die heutige Partnerstadt von Sovetsk\/Tilsit und der Unterst\u00fctzer der Stadtgemeinschaft Tilsit e.V.<\/p>\n\n\n\n<p>Bilder auf Flickr von der Ausstellungser\u00f6ffnung am 4. August 2011 <a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.flickr.com\/\/photos\/jewsineastprussia\/sets\/72157627762777042\/show\/\" target=\"_blank\">Link<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2009 Tilsit \/ Sovetsk (Russische F\u00f6deration)&nbsp; und 2011 Kiel&nbsp;(Deutschland) Lange bevor im 19. Jahrhundert Juden Stadtb\u00fcrgerrechte in Tilsit erwerben durften, hielten sich j\u00fcdische Kaufleute bereits in gr\u00f6\u00dferen Gruppen in der Stadt auf, um Handel zu treiben. 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