{"id":13145,"date":"2026-08-14T21:51:35","date_gmt":"2026-08-14T19:51:35","guid":{"rendered":"https:\/\/jewsineastprussia.de\/darkehmen-jewish-history\/"},"modified":"2026-08-14T22:25:24","modified_gmt":"2026-08-14T20:25:24","slug":"darkehmen-jewish-history","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/jewsineastprussia.de\/de\/darkehmen-jewish-history\/","title":{"rendered":"Darkehmen \u2013 Geschichte der Juden"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">von Birgit Ammann, Farbfotos aus dem Jahr 2024<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"649\" src=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Ozjorsk-05-Rathaus.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11933 size-full\" srcset=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Ozjorsk-05-Rathaus.jpg 1024w, https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Ozjorsk-05-Rathaus-300x190.jpg 300w, https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Ozjorsk-05-Rathaus-768x487.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Darkehmen <\/strong>&#8211; heute <strong>Osjorsk <\/strong>&#8211; im S\u00fcden des russischen Kaliningrader Gebiets gelegen, ist eine kleine l\u00e4ndliche Stadt, die fr\u00fcher zu Ostpreu\u00dfen geh\u00f6rte. Zwischen 1938 und 1946 wurde sie nach dem durch die Stadt flie\u00dfenden Fluss in <strong>Angerapp <\/strong>umbenannt und tr\u00e4gt seit 1946 ihren heutigen Namen Osjorsk. Darkehmen bl\u00fchte auf mit der Erhebung zur Kreisstadt im Jahr 1818 und war bekannt f\u00fcr seine neun Vieh-, Pferde- und allgemeinen M\u00e4rkte pro Jahr.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:21px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Anf\u00e4nge<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ersten Juden kamen Anfang des 19. Jahrhunderts durch diese M\u00e4rkte nach Darkehmen. Der erste, der sich im Jahr 1815 in der Stadt niederlie\u00df, war der Kaufmann Jacob Isaac Schopp aus dem etwa 40 Kilometer entfernten Stallup\u00f6nen. Aufgrund der Einw\u00e4nde der Kaufleute aus Darkehmen musste er versprechen, \u201edurchaus mit Schnittwaaren und B\u00e4nder en detail zu handeln, auch in nichts der hiesigen Kaufmannschaft Abbruch thun zu wollen,\u201c &#8211; sich ausschlie\u00dflich mit Schneiderei und B\u00e4ndern zu befassen und den \u00f6rtlichen Kaufleuten in keiner Weise zu schaden. Schopp unterschrieb gewissenhaft und klug: \u201eich Schreibe vor blo\u00df vier mich unter und nicht meine nach Kommende\u201c &#8211; ich unterschreibe nur f\u00fcr mich selbst und nicht f\u00fcr meine Nachkommen (Zitate: Karl Storz: Darkehmen &#8211; Geschichte des Wohnplatzes und der Stadt bis zur Gegenwart, 1925 S.90).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Cemetery &#8211; No Synagogue<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1824 kaufte Schopp zusammen mit zwei anderen Kaufleuten \u2013 Schlomann Lewin und Salamon Adam \u2013 Land f\u00fcr einen Friedhof vor dem protestantischen Friedhof an der Stra\u00dfe zum Dorf Menturren. Davor war auf dem j\u00fcdischen Friedhof im rund 30 km entfernten Gumbinnen bestattet worden. Lewin wurde 1826 als Kantor und Lehrer eingestellt und wurde damit der erste j\u00fcdische Religionsbeamte in der Stadt. Schopp kaufte 1832 ein Haus an der Stra\u00dfe, die zum Dorf Gudwallen f\u00fchrt. Seine Familie lebte mindestens bis 1873 in Darkehmen, die Familie Adam mindestens bis 1871. Die Familie Lewin l\u00e4sst sich in Darkehmen bis 1839 verfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 1925 umgab der christliche Friedhof aus dem Jahr 1808, der 1837 und 1880 erweitert worden war, den j\u00fcdischen Friedhof auf drei Seiten. Der j\u00fcdische Friedhof wurde 1938 zerst\u00f6rt, heute gibt es keine Spuren mehr davon. \u00dcber eine m\u00f6gliche Existenz einer Synagoge in Darkehmen wird gerade noch geforscht.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"670\" src=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Ozjorsk-Friedhof.jpg\" alt=\"Darkehmen cemetery today\" class=\"wp-image-13142\" srcset=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Ozjorsk-Friedhof.jpg 1024w, https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Ozjorsk-Friedhof-300x196.jpg 300w, https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Ozjorsk-Friedhof-768x503.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ungef\u00e4hrer Ort des J\u00fcd. Friedhofs, umgeben von christlichen Frdh.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"647\" src=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Rothstein-Modewaren-S.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11842\" srcset=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Rothstein-Modewaren-S.jpg 1024w, https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Rothstein-Modewaren-S-300x190.jpg 300w, https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Rothstein-Modewaren-S-768x485.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Familie Rothstein \u00fcbernahm die Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume am Marktplatz in Darkehmen von Bernhard Schelasnitziki<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gesch\u00e4ftsinhaber &#8211; Niedergang &#8211; Ende<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im kollektiven Ged\u00e4chtnis der Stadt waren in den 1930er und 1940er Jahren etwa zw\u00f6lf j\u00fcdische Familien namentlich bekannt, die eng mit Darkehmen verbunden waren, die meisten von ihnen als Kaufleute und Gesch\u00e4ftsinhaber. Einige lebten dort seit mehreren Generationen, andere waren durch Einheiraten verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zahl der j\u00fcdischen Familien war bereits um 1865 zur\u00fcckgegangen. Im Jahr 1880 waren bei einer Gesamteinwohnerzahl von 2983 91 Juden registriert, 1905 waren es 48, 1918 85, 1925 21. Im Jahr 1931 erinnerten sich Mitglieder der j\u00fcdischen Gemeinde \u2013 etwas widerspr\u00fcchlich zu anderen Zahlen \u2013 daran, dass vor dem Ersten Weltkrieg 40 Familien in Darkehmen gelebt h\u00e4tten. Im Jahr 1932 lebten dort trotz der formellen Existenz der Gemeinde nur noch zw\u00f6lf Juden (unter 3.375 Einwohnern \u2013 0,4 % der Gesamtbev\u00f6lkerung), und nur zwei Kinder erhielten Religionsunterricht. Zur Gemeinde Darkehmen geh\u00f6rten zwei weitere Ortschaften: Klein Darkehmen, heute Teil von Osjorsk, und Trempen, heute Nowostrojevo. Erich Sommerfeld war langj\u00e4hriger Vorsitzender der Gemeinde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Mai 1939 lebte kein einziger j\u00fcdischer Einwohner mehr dort, nur eine Frau, die nach der Terminologie der Nazis \u201ehalbj\u00fcdisch\u201d war, durfte bleiben, bis nach dem Zweiten Weltkrieg die gesamte deutsche Bev\u00f6lkerung vertrieben wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Text (in Englisch) findet sich auch in dem Project bei Geni.com: &#8222;Jewish families connected to Darkehmen\/Angerapp, East Prussia (now Osjorsk\/O\u025cepck Kaliningrad)&#8220;<br><a href=\"https:\/\/www.geni.com\/projects\/Jewish-families-connected-to-Darkehmen-Angerapp-East-Prussia-now-Osjorsk-O%C9%9Cepck-Kaliningrad\/4509320\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.geni.com\/projects\/Jewish-families-connected-to-Darkehmen-Angerapp-East-Prussia-now-Osjorsk-O%C9%9Cepck-Kaliningrad\/4509320<\/a><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"880\" src=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Kleiderbuegel-JShop.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11864\" style=\"aspect-ratio:1.1636796311444932;width:641px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Kleiderbuegel-JShop.jpg 1024w, https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Kleiderbuegel-JShop-300x258.jpg 300w, https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Kleiderbuegel-JShop-768x660.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Fundst\u00fccke j\u00fcdischer Gesch\u00e4fte im lokalen Geschichtsmuseum<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Birgit Ammann, Farbfotos aus dem Jahr 2024 Darkehmen &#8211; heute Osjorsk &#8211; im S\u00fcden des russischen Kaliningrader Gebiets gelegen, ist eine kleine l\u00e4ndliche Stadt, die fr\u00fcher zu Ostpreu\u00dfen geh\u00f6rte. 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