{"id":2821,"date":"2018-11-25T19:22:13","date_gmt":"2018-11-25T19:22:13","guid":{"rendered":"https:\/\/jewsineastprussia.de\/?page_id=2821"},"modified":"2018-11-25T20:55:36","modified_gmt":"2018-11-25T20:55:36","slug":"neue-juedische-gemeinden-in-klaipeda-und-kaliningrad","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/jewsineastprussia.de\/de\/neue-juedische-gemeinden-in-klaipeda-und-kaliningrad\/","title":{"rendered":"Neue j\u00fcdische Gemeinden in Klaipeda und Kaliningrad"},"content":{"rendered":"<h3>Rekonstruktion von Identit\u00e4t und Imagination<\/h3>\n<p>Die j\u00fcdischen Gemeinden von K\u00f6nigsberg und Memel wurden 1939-1941 ausgel\u00f6scht. W\u00e4hrend die Memeler Juden vor der R\u00fcckgliederung des Memellandes nach Litauen fl\u00fcchteten und dort das Schicksal der litauischen Juden teilten, wurden die K\u00f6nigsberger Juden \u2013 soweit bekannt &#8211; nach Theresienstadt, Auschwitz und Minsk deportiert. Nach Kriegsende wurden sowohl das n\u00f6rdliche Ostpreu\u00dfen mit K\u00f6nigsberg (nun Kaliningrad) wie auch das Memelland mit Memel (nun Klaipeda) wurden in die Sowjetunion eingegliedert und neu besiedelt. Die dort noch lebende Zivilbev\u00f6lkerung erlitt ein verschiedenes Schicksal. W\u00e4hrend die \u00dcberlebenden aus dem Kaliningrader Gebiet 1947\/48 in die SBZ ausgesiedelt wurden, vertrieb die Verwaltung in Klaipeda die \u00dcberreste der dortigen Zivilisten aus der Stadt aufs Land und deportierte sie teilweise nach Sibirien. Seit 1945\/46 wurden in beiden St\u00e4dten<\/p>\n<figure id=\"attachment_2823\" aria-describedby=\"caption-attachment-2823\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-2823\" src=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Veteranen01.1-1024x415.jpg\" alt=\"Museum Kaliningrad \" width=\"1024\" height=\"415\" srcset=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Veteranen01.1-1024x415.jpg 1024w, https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Veteranen01.1-300x122.jpg 300w, https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Veteranen01.1-768x311.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2823\" class=\"wp-caption-text\">Kaliningrader Gebietsmuseum f\u00fcr Geschichte und Kunst<\/figcaption><\/figure>\n<p>sowjetische B\u00fcrger angesiedelt. Zu den ersten sowjetischen Kadern geh\u00f6rten demobilisierte Soldaten und Offiziere der Roten Armee. Die Entscheidung f\u00fcr die Niederlassung an diesen Orten fiel bei einem gro\u00dfen Teil in dem Wissen, da\u00df das Zuhause zerst\u00f6rt bzw. die Familie umgekommen sei. Weitere Ansiedlungswellen folgten. Besonders f\u00fcr Hafen und Industrie wurden Arbeits- und F\u00fchrungskr\u00e4fte gesucht. Au\u00dferdem hatte sich herumgesprochen, da\u00df diese Gegenden deutlich im politischen Windschatten der Stalinschen Machthaber lagen. Auch innerhalb der stark<\/p>\n<figure id=\"attachment_2826\" aria-describedby=\"caption-attachment-2826\" style=\"width: 195px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-2826 size-medium\" src=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Nachkrieg03.1-195x300.jpg\" alt=\"\" width=\"195\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Nachkrieg03.1-195x300.jpg 195w, https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Nachkrieg03.1.jpg 632w\" sizes=\"(max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2826\" class=\"wp-caption-text\">Kaliningrader Gebietsmuseum f\u00fcr Geschichte und Kunst<\/figcaption><\/figure>\n<p>staatlich gelenkten Wanderungsprozesse in der UdSSR lassen sich bestimmte Tendenzen individueller Entscheidungen nachzeichnen. Juden w\u00e4hlten Ende der vierziger \/Anfang der f\u00fcnfziger Jahre bewu\u00dft Kaliningrad aus. Ende der f\u00fcnfziger\/Anfang der sechziger Jahre waren hingegen die St\u00e4dte im Baltikum ein beliebter Wohnort. Von hier aus lie\u00dfen sich leichter Auslandskontakte pflegen, hatten Ausreiseantr\u00e4ge etwa h\u00f6here Chancen bewilligt zu werden.<\/p>\n<p>Die sowjetischen Migrationsprozesse nach 1945 f\u00fchrten also zur Neuansiedlung von Juden in Klaipeda und Kaliningrad, die sich aus politischen Gr\u00fcnden, jedoch auch durch mangelnde personelle Kontinuit\u00e4t bestimmt, nicht als j\u00fcdische Gemeinde formieren konnten.<\/p>\n<p>Zum ersten Mal in der Nachkriegszeit bestand f\u00fcr Juden in Kaliningrad und Klaipeda die M\u00f6glichkeit, sich eigenst\u00e4ndig zu definieren, als Gruppe zu kommunizieren und \u00d6ffentlichkeit zu haben. Diese neu enstandenen R\u00e4ume waren und sind sozialer, kultureller und kommunikativer Art. Sie sind Produkt und Neusch\u00f6pfung aus identifikativen und sozialstrukturellen Elementen von Herkunfts- und Ankunftsregion.(Hierbei sollte noch einmal unterstrichen werden, da\u00df die Juden, die sich hier zu Gemeinden zusammenschlossen, aus vielen verschiedenen Gegenden der UdSSR stammten, vor allem aus Ru\u00dfland bzw. Wei\u00dfru\u00dfland und ihre Lebenswege sehr unterschiedlich verlaufen waren. Neben Intellektuellen geh\u00f6ren vor allem ehemalige Milit\u00e4rangeh\u00f6rige dazu.) Zu den Faktoren der Herkunftsregion geh\u00f6ren Erinnerung an j\u00fcdisches Leben vor dem Krieg, bzw. an Familientraditionen; zu den Elementen der Ankunftsregion z\u00e4hlen u.a. Praktiken der Vereins- und Minderheitenpolitik vor Ort. Zweifellos haben in beiden St\u00e4dten auch vorher intraethnische Netzwerke, sowohl unter sozialen wie auch professionellen Gesichtspunkten existiert.<\/p>\n<p>Einerseits konfiguriert sich dieser Raum durch die Lebenspraxis vor Ort, andererseits sind die starken j\u00fcdischen Netzwerke (US-amerikanische und israelische Stiftungen) konstituierend f\u00fcr die Existenz der Gemeinden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/413-2\/?lang=de\">zur\u00fcck zur \u00dcbersicht Orte<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rekonstruktion von Identit\u00e4t und Imagination Die j\u00fcdischen Gemeinden von K\u00f6nigsberg und Memel wurden 1939-1941 ausgel\u00f6scht. W\u00e4hrend die Memeler Juden vor der R\u00fcckgliederung des Memellandes nach Litauen fl\u00fcchteten und dort das Schicksal der litauischen Juden teilten, wurden die K\u00f6nigsberger Juden \u2013 soweit bekannt &#8211; nach Theresienstadt, Auschwitz und Minsk deportiert. 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