{"id":2970,"date":"2018-11-28T15:29:01","date_gmt":"2018-11-28T15:29:01","guid":{"rendered":"https:\/\/jewsineastprussia.de\/tilsit-eng\/"},"modified":"2019-10-20T01:35:38","modified_gmt":"2019-10-19T23:35:38","slug":"tilsit-eng","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/jewsineastprussia.de\/de\/tilsit-eng\/","title":{"rendered":"Tilsit (Dt)"},"content":{"rendered":"<p>Der Marktflecken Tilsit an der Memel erhielt 1552 Stadtrechte. In den Jahren 1708 &#8211; 1710 entv\u00f6lkerte die Pest besonders dieses Gebiet. Danach erfolgte Neuansiedlung aus allen Gebieten Deutschlands und auch Schweizer, Franzosen und vor allem Salzburger fanden im 18. Jahrhundert den Weg nach Ostpreu\u00dfen.<\/p>\n<p>Die Stadt Tilsit wurde im Jahr 1895 zur kreisfreien Stadt erhoben. Nach dem ersten Weltkrieg verlief die Reichsgrenze zum Memelgebiet, das sp\u00e4ter an Litauen angegliedert wurde, n\u00f6rdlich der Stadt entlang an der Memel. Der Kreis Tilsit b\u00fc\u00dfte durch den Vertrag von Versailles seine n\u00f6rdlichen Gebiete ein. Heute hei\u00dft die Stadt Sovetsk und geh\u00f6rt zum Kaliningrader Gebiet.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2963\" aria-describedby=\"caption-attachment-2963\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2963\" src=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Tilsit1.jpg\" alt=\"Tilsit place of prayerhaus\" width=\"640\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Tilsit1.jpg 640w, https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Tilsit1-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2963\" class=\"wp-caption-text\">Hier stand das erste j\u00fcdische Gebetshaus (Bild Aug 2000)<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die meisten Dokumente zur Stadtgeschichte sind in Folge des Zweiten Weltkrieges verloren gegangen. Diese Tatsache erstreckt sich auch auf die Unterlagen zur Geschichte der Tilsiter Juden.<\/p>\n<p>Aus Abschriften von B\u00fcrgerrollen der Stadt Tilsit f\u00fcr die Jahre 1754 -1855 und 1872-1905 l\u00e4\u00dft sich ersehen, wieviele Juden welcher geographischen Herkunft zu jener Zeit das Stadtb\u00fcrgerrecht erwarben.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2965\" src=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/tilsit2.jpg\" alt=\"Tilsit bridge over Memel river\" width=\"180\" height=\"127\" \/><\/p>\n<p>Unter den 102 Juden, die 1813 -1855 das Stadtrecht erwarben, waren 21 bereits hier geboren worden, 13 stammten aus Tuelz (Westpreu\u00dfen), 8 aus M\u00e4rkisch Friedland aber nur f\u00fcnf (4,9%) aus nichtdeutschen Gebieten.<br \/>\nDiese Zuwanderer kamen aus dem russischen Smurgon und Sluzk, sowie aus den litauischen St\u00e4dten Wirballen, Tauroggen und Mariampole.<\/p>\n<p>Unter den 128 Juden, die 1872 -1905 das Stadtrecht erwarben, waren\u00a017 bereits hier geboren worden, und 43 (33,6%) stammten aus\u00a0nichtdeutschen Gebieten.<\/p>\n<p>Diese Zuwanderer kamen aus Ru\u00dfland, Polen, Kurland und Litauen, allein 8 aus dem nahe gelegenen Tauroggen und drei aus der litauisch-preu\u00dfischen Grenzstadt Wischtyten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2967\" aria-describedby=\"caption-attachment-2967\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2967\" src=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Door-from-a-timbermerchants-villa-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Door-from-a-timbermerchants-villa-225x300.jpg 225w, https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Door-from-a-timbermerchants-villa-768x1024.jpg 768w, https:\/\/jewsineastprussia.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Door-from-a-timbermerchants-villa.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2967\" class=\"wp-caption-text\">Door from a timbermerchants villa<\/figcaption><\/figure>\n<p>Diese Tendenz der ansteigenden Zuwanderung aus den \u00f6stlichen Nachbargebieten war f\u00fcr das gesamte Ostpreu\u00dfen typisch.\u00a0Gerade nach 1880 flohen russische Juden vor den Pogromen und Repressionen des Zarenreiches in gro\u00dfer Zahl nach Deutschland. Noch zahlreicher war aber die Gruppe der Juden, die sich via Deutschland sofort in andere L\u00e4nder begab &#8211; entweder sofort in die neue Welt oder auch nach Pal\u00e4stina.<\/p>\n<p>Allerdings konnte niemand ahnen, da\u00df Tilsit resp.\u00a0 Ostpreu\u00dfen auch f\u00fcr die j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung, die\u00a0sich hier ansiedelte, nur eine Transitstation darstellte und die n\u00e4chste Generation schon wieder weiter auswandern mu\u00dfte &#8211; nach Amerika, S\u00fcd-Afrika oder\u00a0noch im letzten Moment nach Shanghai.<\/p>\n<p>Auf Grund seiner geographischen Situation, als Stadt mit guter Eisenbahn-, Schiffahrts- und Chausseeanbindung 25 km vor der russischen Grenze, bot Tilsit breitgef\u00e4cherte M\u00f6glichkeiten f\u00fcr in- und ausl\u00e4ndische Kaufleute. Hier hielten sich viele Gesch\u00e4ftsleute auf. Als nach 1880 die Einreisebestimmungen f\u00fcr russische Juden versch\u00e4rft wurden, erlitt die Stadt und auch die Synanogengemeinde erhebliche Einbu\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><br \/>\nGeh. Staatsarchiv Berlin<br \/>\nAbt.XX, Rep.12, Titel 3, Nr.33, Band III<br \/>\nTilsit, Niederung und teilweise Ragnit 1878-1889<br \/>\nDie Abschriften der B\u00fcrgerrollen der Stadt Tilsit sind Bestandteil der Sammlung Brilling im j\u00fcdischen Museum Frankfurt (A 153)<br \/>\nAmbrassat, Geschichte Ostpreu\u00dfens<\/p>\n<p><strong>Fotos:<\/strong><br \/>\nWalter Engelhardt (Ulla Lachauer, Land der vielen Himmel. Memell\u00e4ndischer Bilderbogen. Die Photosammlung Walter Engelhardt),<br \/>\nMichael Leiserowitz<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/jewsineastprussia.de\/de\/413-2\/\">Zum Verzeichnis Orte in Ostpreussen A-Z &gt;&gt;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Marktflecken Tilsit an der Memel erhielt 1552 Stadtrechte. In den Jahren 1708 &#8211; 1710 entv\u00f6lkerte die Pest besonders dieses Gebiet. Danach erfolgte Neuansiedlung aus allen Gebieten Deutschlands und auch Schweizer, Franzosen und vor allem Salzburger fanden im 18. Jahrhundert den Weg nach Ostpreu\u00dfen. Die Stadt Tilsit wurde im Jahr 1895 zur kreisfreien Stadt erhoben. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[123],"class_list":["post-2970","page","type-page","status-publish","hentry","category-tilsit-sowetsk-de-2","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/jewsineastprussia.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2970","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/jewsineastprussia.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/jewsineastprussia.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jewsineastprussia.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jewsineastprussia.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2970"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/jewsineastprussia.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2970\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4573,"href":"https:\/\/jewsineastprussia.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2970\/revisions\/4573"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/jewsineastprussia.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2970"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/jewsineastprussia.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2970"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}