Tram Synagogue Koenigberg
Synagogue Koenigsberg 1920
Construction Synagogue Kaliningrad
Dome part of Synagogue Kaliningrad
Synagogue Kaliningrad Autumn
Synagogue Kaliningrad
DomeWindows
Kuppel innen 2
Kuppel innen 3
Katzman in prayer hall
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Einweihung am 8. November 2018

Mehr als zweitausend Personen versammelten sich erwartungsvoll an der Honigbrücke gegenüber der Dominsel in Kaliningrad.

Achtzig Jahre nach der Zerstörung der Lindenstraßensynagoge in Königsberg während der Reichspogromnacht fand die Einweihung der wiederaufgebauten Synagoge statt.

Eröffnung Synagoge Kaliningrad

Hohe Gäste

Der Generalbevollmächtigte des Präsidenten im Nordwestdistrikt der Russischen Föderation, Roman Balashov eröffnete die Reihe der kurzen Ansprachen vor dem Bau. Ihm folgten der Vertreter der Gebietsregierung, Garri Goldman und der Oberrabbiner der Russischen Föderation Berel Lazar. „Heute ist der Beweis dafür, dass die Kraft des Geistes unbesiegbar ist“, sagte Lazar. Danach zerschnitten Balshov, Goldmann, Lazar und der Hauptsponsor des Baus, Vladimir Katsman gemeinsam mit Kindern der Gemeinde das Band. (Bild: Denis Tugolukov)

ribbon

Oberrabbiner Lazar brachte unter Beifall die Mesusa am rechten Türrahmen an. (Bild: Denis Tugolukov)

Chief Rabbi Lazar

Dann strömten die Gäste in den großen Saal im zweiten Stock zur offiziellen Eröffnungsfeier. An der Zeremonie nahmen neben vielen Vertretern des Moskauer Rabbinats Diplomaten aus Israel, Polen, Deutschland und Litauen teil, hohe Würdenträger weiterer in Kaliningrad ansässiger Religionsgemeinschaften sowie zahlreiche Juden der Stadt und des Gebietes sowie Nachfahren von Königsberger jüdischen Familien, die aus Israel angereist waren. (Bild: Denis Tugolukov)

Entrance Synagogue

Gedenken an die Opfer des Novemberpogroms

Umrahmt vom stimmgewaltigen Gesang des Kantors Uriel Granat aus Voronesh ….

Cantor and Imam

… wurden Kerzen von ausgewählten Vertretern zum Gedenken angezündet. Unter ihnen waren Nechama Drober, die als Kind in Königsberg die Kristallnacht erlebt hatte, Alla Gerber, die Politikerin und Präsidentin der russischen Holocaust Stiftung sowie der deutsche Botschafter in Moskau, Rüdiger Freiherr von Fritsch und der deutsche Generalkonsul in Kaliningrad Dr. Michael Banzhaf

Ceremony Remeberance Holocaust

In mehreren der kurzen Ansprachen, so auch vom deutschen Europa-Staatsminister Michael Roth, wurde eindringlich aus Zeitzeugenberichten der Pogromnacht zitiert.

Michael Roth speach

Alexander Boroda, der Präsident der Föderation der jüdischen Gemeinden Russlands sagte u.a.: „Die vor 80 Jahren zerstörte Synagoge öffnet wieder ihre Türen für Besucher. Dies ist ein Meilenstein nicht nur für die jüdische Gemeinde, sondern für ganz Russland. Die Wiederaufnahme der Arbeit der Synagoge, eines Ortes, der die Jahrhunderte alten Traditionen der Vorfahren bewahrt, ein Ort, an dem Menschen auf der Suche nach Antworten auf ewige Fragen kommen, ist ein Symbol für den spirituellen Aufstieg unseres gesamten Landes, ein Symbol für die Wiederbelebung der ewigen menschlichen Werte.“

Danksagung an die Architektin und Sponsoren

In einer kurzer Rede blickte der Initiator und Hauptsponsor des Wiederaufbaus, der Geschäftsmann Vladimir Katsman, auf den langen komplizierten Weg des Baugeschehens zurück. Er unterstrich die enorme Leistung der Bauarbeiter in kürzester Zeit und deren Engagement. Serben, Ukrainer, Polen, Katholiken, Orthodoxe, Muslime aus verschiedenen Ländern und Juden hätten hier gemeinsam gearbeitet,

Katzman

Die Architektin Natalia Lorents erhielt großen Applaus für ihre Leistung. Den Hauptsponsoren wurden Danksagungen ausgehändigt, so Igor Rabinovich für die Finanzierung der Kuppel, Boris Pechersky für die Finanzierung der Glasfenster und Leonid Plitman für die den Thoraschrein. Besonders gewürdigt wurde das Engagement des 92-jährigen Holocaustüberlebenden Jacob Sukhovolsky, der eine Million Rubel für die schönen Türen der Synagoge gespendet hat.

Es folgten weitere Grußworte, u.a. von dem sehr bekannten und beliebten Moskauer TV-Künstler Leonid Jakubovich, der extra aus Moskau angereist war. (Bild: Denis Tugolukov)

Leonid Jakubovich

Thora

Die Einweihungsfeier fand ihren Abschluss mit dem feierlichen Einzug der Thora, deren letzte Buchstaben am gleichen Tag vorher geschrieben worden waren. Nach dem feierlichen Umzug der Schriftrolle platzierte sie Vladimir Katsman feierlich im Schrein. Vergeblich hatten sich Vertreter der Synagogenstiftung im Vorfeld bemüht, eine der alten geretteten Königsberger Thorarollen aus dem Ausland zurück zu erhalten, sodass dann eine neue in Auftrag gegeben worden wurde. Anschließend fand ein Gebet statt.
(Bild: Alexey Minin)

Bringing the Torah

Ausstellung, Empfang und Konzert

Im Foyer des zweiten Stocks der Synagoge konnten die Gäste eine von Irena Edelman gestaltete Ausstellung über ehemalige jüdische Frontsoldaten und ihre Lebenswege in Kaliningrad betrachten.

Für geladene Gäste gab es einen Empfang, auf dem zahlreiche Präsente überreicht und weitere Grußworte formuliert wurden. So drückte der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Klaipėda (Memel), Feliksas Puzemskis die Hoffnung auf weitere gute Zusammenarbeit aus und verwies auf die jahrhundertelangen engen Beziehungen zwischen den jüdischen Gemeinden beider Städte.

Zum Abschluss der Eröffnung führte die Kaliningrader Philharmonie unter ihrem Leiter Arkadi Feldman im großen Gebetssaal eine Tonschöpfung des israelischen Komponisten Baruch Berliner unter dem Titel „Genesis“ auf.

Concert opening synagogue

Medienecho

Russische Fernseh- und Zeitungsredaktionen haben überregional und regional breit darüber berichtet. Auch die Danziger Lokalredaktion der großen linskliberalen Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ hat dem Ereignis eine ganze Seite gewidmet. Ebenfalls gab es Berichte in der Moskauer Deutschen Zeitung (https://mdz-moskau.eu/nach-80-jahren-neue-alte-synagoge-in-kaliningrad-vor-eroeffnung/) und im WDR (https://wdrmedien-a.akamaihd.net/medp/podcast/weltweit/fsk0/177/1773939/wdr3kulturammittag_2018-11-09_kaliningradbekommtseinealtesynagogezurueck_wdr3.mp3)
(Bild: Stiftung Aufbau Synagoge in Kaliningrad)
 

Media at press conference

Gestalt der Synagoge

Der jetzige Bau ist in der Form dem Vorgängerbau nachempfunden. Da das Grundstück heute schmaler ist als das ursprüngliche, wurde das Gebäude schmaler und niedriger als das ursprüngliche ausgeführt. Auch die Fassadengestaltung unterscheidet sich vom Original, das aus rotem Backstein und Ludoviciziegeln gebaut wurde. Die jetzt dominierenden Kalksteinstreifen sollen die Verbindung zu Israel symbolisieren.
(Bild: Alexey Minin)

Innengestaltung

Es handelt sich um einen Mehrzweckbau, der folgendes enthalten wird:

  • zwei Synagogenräume (einen großen im 2. Stock und einen kleinen im 4. Stock)
  • einen koscheren Speisesaal
  • Koschergeschäft
  • Mikwe (Ritualbad)
  • Räume für Kindergarten und Sonntagsschule
  • Bibliothek, Lesesaal, Auditorium
  • Ausstellungsräume (u.a. mit Ausstellung zur Geschichte und zum Holocaust)

Abschluss der Bauarbeiten

In ca. sechs Monaten sollen die Bauarbeiten abgeschlossen werden.

Projektverantwortung

Bauherr ist die „Stiftung für den Synagogenbau“ (Synagogue Construction Foundation bzw. онд строительства Синагоги в Калининграде“). Gegründet wurde die Stiftung 2011 durch den Kaliningrader Geschäftsmann und Philantropen Vladimir Katsman. Als Generaldirektorin fungiert die Architektin Natalia Lorens. Direktor der Stiftung ist Mark Katsman.

Kaliningrad Synagogue Logo

Warum bauen russische Juden die Synagoge aus deutscher Zeit wieder auf?

Die Juden der Stadt und des Gebietes wollen damit ein Zeichen setzen, dass sich jüdisches Leben und jüdische Traditionen fortsetzen. Sie wollen den historischen Ort wiederbeleben und mit ihren eigenen Aktivitäten füllen. Hier wird aktiver Umgang mit Geschichtsaneignung verknüpft mit zivilgesellschaftlichem Engagement par excellence bewiesen.

Seit wann gibt es Juden in Kaliningrad?

Die ersten Juden kamen im Frühjahr 1945 als Soldaten der Roten Armee in diese Region. Am Sturm auf Königsberg haben zahlreiche jüdische Soldaten teilgenommen. Viele von ihnen wurden hier demobilisiert, haben sich in der Stadt angesiedelt und am Ort Familien begründet. Unter den Akteuren der Stiftung befinden sich auch direkte Nachfahren der Juden von 1945. Unter den Ansiedlungstransporten der späten 1940er und frühen 1950er Jahre, die aus vielen sowjetischen Regionen in die Stadt kamen, waren auch viele Juden, die vor der „antikosmopolitischen Kampagne“ im Spätstalinismus an die westliche Peripherie des Sowjetreichs flohen. Allerdings waren Synagogen in Kaliningrad bis 1989 nicht gestattet, es funktionierte nur informelles jüdisches Leben.

Welche Geschichte hatte die erste Synagoge an diesem Platz?

Der erste Synagogenbau wurde 1896 hier von den erfolgreichen Berliner Architekten Wilhelm Cremer und Richard Wolffenstein fertigstellt. Der Bau wurde durch zahlreiche Spenden der Gemeindemitglieder finanziert. So ließe sich behaupten, dass die damalige Synagoge auf einem Fundament aus Bernstein und Tee steht, denn der Bernsteinhändler Moritz Becker und zahlreiche Händler der „Königsberger Thee-Compagnie“ hatten mit Großspenden wesentlich dazu beigetragen. Es gab ein reges Kulturleben um die Synagoge, die u.a. auch eine Bibliothek beherbergte. Anregend waren die musikalischen Aktivitäten um den berühmten Kantor Eduard Birnbaum, der ebenfalls das Musikleben der Stadt mitprägte.
Die Synagoge wurde im November 1938 in Brand gesetzt. Später mussten die jüdischen Männer der Gemeinde die Ruine abtragen.

Gibt es heute noch Königsberger Juden?

In Israel, Australien und Deutschland leben noch einige Zeitzeugen, die entweder von den Nazis vertrieben wurden oder sogar den Krieg in Königsberg erlebt haben. Im Spielberg-Archiv existieren ca. 50 Interviews mit Königsberger Juden. Einige haben ihre Erinnerungsberichte verfasst. Zu den bekanntesten Werken gehört das Buch von Michael Wieck „Zeugnis vom Untergang Königsbergs“.

Wer finanziert dieses wichtige Projekt?

Hauptsponsor sind bisher Kaliningrader Juden, vor allem der Philanthrop Vladimir Katsman. Ihm zur Seite stehen viele Einzelspender. Die Kuppel wurde von Igor Rabinovich finanziert, die Glasfenster von Boris Pechersky gespendet. Den Thoraschrein wird Leonid Plitman finanzieren. Allerdings werden noch viele Spender für die Vollendung gebraucht.
Es gibt die Möglichkeit direkt in Kaliningrad zu spenden oder über den Verein „Juden in Ostpreussen“, der seinen Sitz in Berlin hat.

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