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Ostróda – Osterode (Bild Auschnitt Wikipedia Commons Antekbojar / CC BY-SA)

Die Juden ließen sich in Ostróda (Osterode) schon recht früh nieder. Im Jahr 1707 wird nur ein Bewohner des mosaischen Glaubens erwähnt, die nächste Erwähnung der Juden stammt aus dem Jahr 1716. Im Jahr 1735 gab es in Ostróda (Osterode) bereits etwa zehn Juden, die einen ziemlich großen Wohlstand erreichten. Eine der bedeutendsten jüdischen Familien in Ostróda (Osterode) war zweifellos die Familie Samulon. Deren Urahn war Samuel (Samulon) Abraham Ascher. Die Samulons, die mit Porzellan und Tuchmacherei handelten, machten im Laufe der Zeit ein beträchtliches Vermögen und genossen unter den Händlern ein hohes Ansehen. In Ostróda (Osterode) war der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten tätig. Andere wichtigere Verbände waren: Verein für jüdische Geschichte und Literatur, zusammen mit der Hauptbibliothek und dem Deutsch-Jüdischen Wanderverein „Kameraden“ von Ostróda (Osterode).

Die jüdische Gemeinde in Ostróda vergrößerte sich allmählich – 1735 lebten dort etwa zehn Personen, 1812 – 15, 1846 – 108 (3,8% der Bevölkerung), 1858 – 160 (4,9%), 1880 – 222. 1900 – 242 stellten sie damals fast 10% der Schüler der örtlichen Realschule und 16% der Stadträte. Seit 1835 befand sich das Gebetshaus in der heutigen Straße Puławskiego. Eine neue Synagoge im maurischen Stil wurde 1893 in der Gartenstraße, der heutigen Straße Olsztyńska, gebaut.

Archivfotos der Synagoge in Ostróda (Osterode) (Quelle: R. Kabus, Juden in Ostpreussen)

In den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts schien Ostróda (Osterode) eine Oase der Toleranz zu sein, diese Situation änderte sich in den 1930er Jahren grundlegend. Bereits 1930 wurde der jüdische Friedhof abgerissen und Versuche unternommen, die Synagoge in Brand zu setzen, und 1932 wurde in der Firma des Kaufmanns Lonky am Marktplatz eine Bombe gelegt. Im Jahr 1933, nachdem Hitler an die Macht gekommen war, lebten 123 Menschen jüdischer Herkunft in Ostróda (Osterode). Die ersten Pogrome fanden bereits 1935 statt, und während der „Kristallnacht“ am 9./10. November 1938 wurden die Synagoge, das Leichenhaus und der Friedhof dem Erdboden gleichgemacht. Im Jahr 1937 lebten in Ostróda (Osterode) 75 Juden und laut der Volkszählung vom 17. Mai 1939 nur sieben Juden und siebzehn Personen aus gemischten Ehen.

Jewish cemetery Osterode
Die letzten Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof in Ostróda (Osterode)

Der jüdische Friedhof in Ostróda wurde 1735 angelegt, aus diesem Jahr stammen die Informationen über den Kauf von Liegenschaften für diese Nutzung. Er umfasste eine Fläche von etwa 0,2 ha. Gleichzeitig wurde ein Gebetshaus eröffnet. Der Osteroder Friedhof befindet sich in der heutigen Armii Ludowej Straße, auf dem sogenannten „Polnischen Hügel“, in der Nähe des katholischen Friedhofs. Er existiert heute nicht mehr, es gab Zerstörungen während der „Kristallnacht“ und in den 1950er Jahren weitere Verwüstungen. Nur die Reste der Ziegelmauer und zwei Grabsteine, die zufällig in dem Bereich gefunden wurden, haben die Stürme der Geschichte überstanden. Diese gehören Justine Samulon geb. Rautenberg und T. Samulon. Im Jahr 2002 wurde das Gelände des Friedhofs durch den Ostródaer Kulturverein „Sasinia“ gesäubert.

Text: Seweryn Szczepański – seweryn.szczepanski@op.pl
Foto: Ryszard Bogucki

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Bibliographie:

  • Müller, Zur Geschichte der Juden in Osterode Ostpr , „Oberländische Geschichte Blatt“, 1903, Heft 5
  • Kabus, Juden in Ostpreussen, Husum 1998
  • B. Kozłowski, Dawna Ostróda. Obrazy z życia wschodniopruskiego miasteczka , Dąbrówno-Warszawa 2006
  • Skrobot, Z dziejów Żydów ostródzkich , „Raptularz Ostródzki. Gazeta Zamkowa“, nr 2, styczeń-luty 1998
  • Deutsches Städtebuch. Handbuch statistischer Geschichte, Bd. I: Nordostdeutschland, hrsg.: E. Keyser, Stuttgart-Berlin 1939
  • Statistik des Deutschen Reichs, Bd. 552: Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom 17. Mai 1939, Heft 4: Die Juden und jüdischen Mischlinge im Deutschen Reich, Berlin 1944

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