Mit Eindrücken eines Memelland-Besuchs im April 2022

Dieser Ort hat einige Besonderheiten für Ostpreussen und für Juden in Ostpreussen: Hier gab es einen sehr hohen Anteil von Juden an der Gesamtbevölkerung, ähnlich wie bei den Städten außerhalb Ostpreussens (z.B. im Nachbarort Jurbarkas hinter der ehem. Grenze an der Memel), wobei man in Ostpreussen nicht von der Organisationsform eines „Schtetl“ sprechen kann. Schmalleningken war der Grenzort an der südöstlichen Grenze des Memellandes zwischen dem Deutschen und dem Russischem Reich bis zum 1. Weltkrieg. Danach wurde der Landstrich in der Zwischenkriegszeit litauisch. Heute gehört er zur Republik Litauen und der Fluß Memel bildet die Grenze zum russischen Kaliningrader Gebiet.

Hier ist der erste Ort in Ostpreussen, in der ein Jude das Recht erhielt ein Haus zu erwerben. So begann die Geschichte der Familie Berlowitz, die sich nach und nach auf viele andere Grenz- und Handelsorte Ostpreussens verteilte.

Die Stadt hatte wegen der Zolleinnahmen und dem regen Handel mit seinen Hotels, Gaststätten und Geschäften schon fast ein städtisches Aussehen. Der Memelstrom war schon weit vor der Erfindung der Eisenbahn die wichtige Transport- und Handelsader für Holz- und Flachsimporte aus dem Inneren des Kontinents zur Ostsee (über die Häfen von Memel oder Königsberg).

Bis heute kann man den sehr großen Winterhafen bewundern, der den Schiffen in der Winterzeit vor den Eismassen Schutz bot. Praktischerweise gab es ab 1902 einen Kleinbahnanschluss zur Hauptstrecke Tilsit-Memel.

Schon sehr früh gab es hier eine Synagoge an der Hauptstrasse, noch bevor Kirchen gebaut wurden. Wir konnten den Standort mit Hilfe von Fotos ausmachen.

Synagogue of Schmalleningken 1936

(1) Vor 1914, Central Hotel neben der Synagoge an der Hauptstraße (2) 1. Weltkrieg um 1915, Kriegszerstörung des Central Hotels durch russische Truppen (3) Nach dem 1. Weltkrieg, Neubau Litauische Schule neben der Synagoge (4) heutige Galerie und Kulturzentrum neben dem leeren Standort der 1939 von den Deutschen niedergebrannten Synagoge.

Der Jüdische Friedhof ist nicht weit vom Bahnhof weg, er ist gekennzeichnet, es gibt einen Torbogen und einen Gedenkstein.

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