Gedenkmarsch 2024

Erforschung der Vorgänge geht weiter mit neuen Erkenntnissen

Suche nach Fotos aus privaten Beständen

Ein Nachfahre aus Australien ist angereist

Das Buch von Eva Nagler wird auf Deutsch erscheinen

Martin Leeser and Ruth Leiserowitz
Zu Beginn des Marsches, Martin Leeser, Deutsche Botschaft Moskau, und die Historikerin Ruth Leiserowitz, Vorsitzende des Vereins der Juden in Ostpreußen e. V.

Gedenkmarsch 2024

Seit 2011 besteht das Denkmal am Strand von Palmnicken (heute Jantarny, Russ. Föderation), an dem die Jüdische Gemeinde Kaliningrad an den Todesmarsch und das Massaker in der Endphase des 2. Weltkrieges gedenkt. Unter den Opfern befanden sich sehr viele polnische Jüdinnen aus dem Getto der Stadt Lodz. Aus mehreren Arbeitslagern in Ostpreußen wurden sie in Königsberg zusammengetrieben und dann in den letzten Tagen des Januar 1945 im Tag- und Nachtmarsch durch die Kälte an den Ostseeort Palmnicken geführt, dabei wurden Tausende zurückfallende geschwächte Gefangene von den Wachmannschaften erschossen.

Dieses Jahr fand der Gedenkmarsch am Sonntag, den 28. Januar statt. Zum ersten Mal hielt ein Vertreter des Vereins Juden in Ostpreussen e. V. eine kurze Ansprache in der offiziellen Gedenkzeremonie, die von einem der Kaliningrader Rabbiner moderiert wurde. Der Verein hatte, in dem seit über einem Jahr geöffneten Museum in der Kaliningrader Synagoge, die Ausstellung zur Geschichte der Juden in Königsberg konzipiert und erstellt. Die Module über die spezifische Geschichte der Judenvernichtung in Ostpreußen wurden gerade in der Holocaust Gedenkwoche von vielen Schulklassen der Region aufgesucht.

Neue Erkenntnisse aus der Forschung

Die Erforschung der Vorgänge rund um das Massaker führen laufend zu neuen Einsichten. Jetzt erfolgte die Verortung der Gefangenen-Internierungshalle auf dem Bernsteinabbaugelände und der genauen Route zum Vernichtungsort am Strand. Außerdem sind Hinweise über den Ort der späteren Ermordung der über 200 aufgegriffenen Überlebenden in den Tagen nach dem Massaker eingegangen. Das Forschungsprojekt wurde auf der internationalen Konferenz im Polin Museum Warschau „European Jews Facing the Imminence of the Holocaust“ am 25. April 2023 von Frau Claudia Vollmer (Universität Hagen) der Fachwelt vorgestellt und wird wohl in ca. 2 Jahren zu einer Publikation führen.

Route zum Strand vom Bernsteinwerk am Bach zwischen Palmnicken und Kraxtepellen – Ausschnitt aus Graphic Novel im Museum

Suche nach Fotos

Bis in die jüngste Zeit gibt es Übergaben von Bildern aus der Kriegszeit, die in Deutschland aufgefunden wurden und den Museen vor Ort zur Verfügung gestellt werden. Unser Verein hofft, dass es noch persönliche und bisher noch nicht bekannte Erinnerungen aus Ostpreußen aus dieser Zeit in Privatbeständen gibt, die einen wichtigen Beitrag zur Geschichtsforschung sein könnten. Kontakt: Juden in Ostpreussen e.V., Friedrichstr. 95, Postkasten 48, 10117 Berlin.

Nachfahre aus Australien

Yoav Lester, speaker at Palmnicken

Herr Yoav Lester, der Großneffe eines Opfers und einer Überlebenden (Eva Nagler, s.u.) reiste an, um diese Stätte zu besuchen und auch ein Wort an die mehreren Hundert Anwesenden zu richten. Er hatte als Generation 2 die Eindrücke aus seiner Familie zusammen mit seiner Schwester in einem Animationsvideo verarbeitet, das auf Filmfestivals gezeigt wurde. „Noch Am Leben (Still Alive)“ von Anita Lester, 2017

Übersetzung ins Deutsche: Das Buch der Überlebenden Eva Nagler

Das englische Buch von Eva Nagler „Massacre on the Baltic“ von 1995 ist vergriffen und wird jetzt auf Deutsch übersetzt. Dies macht die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und es soll im Januar 2025 in Berlin zum 80. Gedenkjahr des Massakers vorgestellt werden.

Part of exhibition Jmkaliningrad massacre on beach
Ausschnitt aus Graphic Novel im Museum – Das Massaker an 3000 Häftlingen in der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar 1945

#jmkaliningrad #palmnicken #Jantarny