Am 23. September 2026 beging das Regional Museum Garzdai Gargždų krašto muziejus den Gedenktag für die Opfer des Völkermords an den litauischen Juden.

„In diesem Jahr jährt sich der Beginn des Holocausts in Litauen zum 85. Mal. Um diesen schmerzlichen Teil der Geschichte unseres Landes in Erinnerung zu behalten und zu würdigen, erforscht das Regionalmuseum von Gargždai die Geschichte der jüdischen Gemeinde, die einst in Gargždai lebte, und möchte deren wichtige Rolle in der Entwicklung der Stadt beleuchten.

Foto mit freundlicher Genehmigung des Regionalmuseums Gargždai. Eine Szene aus dem Vortrag der Referentin Prof. Dr. Ruth Leiserowitz. Im Hintergrund: ein Hochzeitsfoto von in Gargždai lebenden Juden..


Der Vortrag der Historikerin Prof. Dr. Ruth Leiserowitz, der am 16. September 2026 im Museum stattfand, ermöglichte einen genaueren Einblick in das Leben, die Traditionen, die Berufe und das Schicksal der jüdischen Familien in Gargždai.

Wir möchten einige Fakten weitergeben, die im Rahmen der Forschung entdeckt und im Vortrag vorgestellt wurden:

Widerstand gegen den Befehl des Zaren

Im Jahr 1836 verbot Zar Nikolaus I. den Juden, im 50-Werst-Grenzbestreifen (ca. 55 km) zu leben. Doch 19 jüdische Gemeinden, darunter die von Gargždai und Jurbarkas, weigerten sich, dem Befehl Folge zu leisten, und blieben im Grenzgebiet wohnen.

Durch den Krimkrieg ausgelöste Veränderungen

Während des Krimkriegs (1853–1856) wurde durch die Blockade der russischen Häfen die Grenze zu Preußen geöffnet. Im Grenzgebiet blühte der Handel auf, und damit wuchs auch die lokale Wirtschaft. Gargždai war lange Zeit eine Grenzstadt, weshalb diese globalen Prozesse einen direkten Einfluss auf den Alltag und die Geschäfte der hier lebenden Menschen hatten.

Selbstständige Frauen in der Wirtschaft

Im 19. Jahrhundert führten jüdische Frauen häufig selbst Handelsunternehmen. In ihrem Vortrag führte die Referentin einige Beispiele an, die dies belegen. Eines davon ist eine im Jahr 1859 am Grenzzollamt ausgestellte Genehmigung für Frau Eiste Ber und ihre Kinder, zu Handelszwecken nach Memel – dem heutigen Klaipėda – zu reisen.

Gargždai – Sprungbrett in die Welt

Ein Teil der in Gargždai geborenen Jugendlichen zog weg, um sich im Ausland ein Leben aufzubauen. Einer der Brüder der Familie Jawschitz ließ sich in Johannesburg, Südafrika, nieder, während andere Familienmitglieder in Memel und in Deutschland Geschäfte aufbauten.

„Töchter Zions“ in Gargždai

Im Jahr 1905 gründeten zwei junge Frauen – Frau Griks und Frau Susmanowitz – in Gargždai den zionistischen Frauenverein „Töchter Zions“. Die Organisation brachte junge Menschen zusammen und förderte nationale Ideen.

Diese und viele andere im Rahmen der Untersuchung aufgedeckte Fakten tragen dazu bei, die in Gargždai lebenden Menschen besser kennenzulernen und zu verstehen, welch bedeutender Teil der Stadtgeschichte die jüdische Gemeinde war.

Eine Delegation der jüdischen Gemeinde von Klaipėda nahm an der Gedenkfeier am Holocaust-Denkmal in Gargždai neben dem Hauptbusbahnhof teil.


Lasst uns das historische Gedächtnis bewahren, der Opfer des Holocaust gedenken und nicht zulassen, dass ihre Lebensgeschichten in Vergessenheit geraten.

Text vom Facebook-Beitrag vom Regionalmuseum Gargždai, Gargždų krašto muziejus

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