Neustart

mit öffentlicher Ausstellung und Anbringung von Informations-Mazevot und neuen Bildern auf dem Jüdischen Friedhof in Klaipeda. Mit Abbildungen, Schauspiel, Toninstallationen und einer Rede wurde am 30. Juli 2026 der Öffentlichkeit mit Vertretern aus Politik, Stadtverwaltung und Wissenschaft die bis in die jüngste Vergangenheit bewegte Geschichte dieses Geländes erläutert. Und es wurden 1.225 Namen von denjenigen, die hier beerdigt wurden, zusammengetragen und diese stehen jetzt interessierten Nachfahren zur Verfügung.

Redetext von Prof. Ruth Leiserowitz zur Geschichte des jüdischen Friedhofs in fünf Sprachen.

Vortrag von Ruth Leiserowitz und Darbietung von Schauspielern * Moderator Nerijus Gedminas mit Feliksas Puzemskis * Shimon Pesach, Konsul und Gesandter Israels in Litauen * Ričardas Zulcas, Direktor der Abteilung für Kultur, Sport und Tourismus der Hafenstadt Klaipeda * Arūnas Baublys, Honorarkonsul Deutschlands in Klaipėda

Ein Friedhof ist ein wichtiger Teil des Lebens in einer Stadt.

Die heutige jüdische Gemeinde Klaipeda zieht aus dieser Veranstaltung Kraft und Hoffnung für die Zukunft, in dem diese der Tradition und dem Gedenken an vorherige Generationen anschließt. Dies ist auch wichtig für die internationalen Kontakte, die von dieser Hafenstadt ausgehen.

So ist auch der Satz von Feliksas Puzemskis, dem Initiator und einladenden Gemeindeleiter zu verstehen, welcher die Zukunft und Hoffnung mit der Erinnerung an eine lebendige Vergangenheit verbindet. Dies gilt erst Recht für dieses Fleckchen Erde, auf dem die gegenwärtige Jüdische Gemeinde tagtäglich zusammenkommt.


Nachfolgender Text basiert auf der Webseite der Stadt Klaipėda, übersetzt aus dem Litauischen

Die Einwohner, die in den Nachkriegsjahren nach Klaipėda gezogen sind oder dort geboren wurden, erinnern sich noch an den Antennenwald, der einst im Stadtzentrum stand. Es handelte sich um eine geheime Funkstörstation aus der Sowjetzeit, deren Aufgabe darin bestand, Radiosendungen aus westlichen Ländern zu stören. Die sowjetischen Behörden wollten die Möglichkeiten der Bevölkerung einschränken, Sendungen von „Voice of America“, der BBC, „Radio Free Europe“, „Radio Liberty“ und des Vatikanradios zu hören. Die Anlage war bis Ende 1988 in Betrieb, als die Störung ausländischer Radiosendungen auf Anordnung des Kommunikationsministers der Litauischen SSR endgültig eingestellt wurde.

Bild Quelle: Ieva Simonaitytė Öffentliche Bibliothek

Dieses Grundstück hat jedoch eine weitaus längere und komplexere Geschichte. Bis zum Zweiten Weltkrieg befanden sich hier der Friedhof und das Trauerhaus der jüdischen Gemeinde von Klaipėda. Während der nationalsozialistischen Besatzung wurde die jüdische Gemeinde von Klaipėda vernichtet, und ihr Kulturerbe erlitt enorme Verluste. Nach dem Krieg errichtete die sowjetische Regierung an der Stelle des ehemaligen Friedhofs eine geheime Funkstörstation namens „Objekt Nr. 61“. Beim Bau der Infrastruktur dieser Anlage wurden die Grabsteine des zerstörten jüdischen Friedhofs als Baumaterial verwendet, unter anderem für die Fundamente der Antennen. Die Geschichte dieses Gebiets ist zu einem beredten Zeugnis des Erbes zweier totalitärer Regime – des nationalsozialistischen und des sowjetischen – geworden: Das eine vernichtete die jüdische Gemeinde der Stadt, das andere löschte die Erinnerung aus und verdrängte ihre frühere Geschichte für lange Zeit in die Vergessenheit.


Die Vergangenheit lebt, solange wir uns an sie erinnern.
Die Zukunft beginnt, wenn wir sie gemeinsam gestalten.

Projekt Initiator – Feliksas Puzemskis

Ausstellungs-Kuratorin – Prof. Ruth Leiserowitz

Design – Kurator Vladas Balsys

Veranstaltungsmoderator – Nerijus Gedminas

Veranstaltet von der Jüdischen Gemeinde Klaipėda

Projekt Partner – Juden in Ostpreussen. Verein zur Geschichte und Kultur e.V., das Museum für die Geschichte von Kleinlitauen, das Etno-Kulturzentrum in Klaipėda und die “Good Will Foundation.”

The Projekt wurde finanziert von der Stadt Klaipėda City Municipality.

Link zum Web der Stadt Klaipeda (Litauisch) >>